Tee Blog des Hamburger Teespeichers

Produktion des Langnasenoolongs, Teil 3 (zweiter Tag)

Als wir mehr oder weniger ausgeruht am nächsten Morgen zum Teebauern zurückkehrten, war die Arbeit schon im vollen Gange.

Die Teamaker waren schon dabei, die Enzyme, die die Fermentation bewirkt haben, zu deaktivieren. Dies geschieht mittels elektrisch auf 300°C beheizter Trommeln, in denen die Blätter ca. vier Minuten lang in ihrer eigenen, nun verdampfenden Feuchtigkeit “gekocht” werden. Die Blätter sind für diesen Vorgang bereit, wenn sie zu ca. 30 % rot gefärbt sind.

Nun werden die Blätter vorgerollt um ihren Geschmack zu verfeinern und sie von den langen Stielen zu lösen. Auch werden sie hierbei schon etwas in ihre spätere Form gebracht.

Im Anschluss werden die Teeblätter getrocknet. Sie durchlaufen dafür auf einem Förderband langsam eine Trocknungsmaschine.

An dieser Stelle könnte man die Oolongproduktion theoretisch abbrechen. Wir möchten aber zum Einen einen kugeligen Oolong haben und zum Anderen ist der Geschmack jetzt noch sehr grünteeartig und entspricht dem Mainstream-Geschmack. Da wir aber einen Spitzenoolong herstellen möchten, geht es noch weiter.

Der Tee kommt nun wieder in die Trommeln zum Auflockern und wird dann in ein Tuch gefüllt.

Das Tuch wiederum kommt in einen reißfesten Nylonsack.

Diese Säcke werden sehr fest verschlossen. Die Maschine dreht hierfür den Sack und der Teamaker muss sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen stemmen und den Strang festhalten. So wird der Tee immer weiter komprimiert.

Der Sack kommt nun für ca. 8 bis 9 Minuten in eine Rollmaschine. Hierbei bekommt das anfangs noch offene Blatt langsam seine Kugelform.

Anschließend werden die Blätter wieder aus dem Sack geholt und zum Lockern in die Trommel gegeben. Dann kommen sie wieder in den Sack und werden erneut gerollt. Dieser Vorgang wird insgesamt 21 mal durchgeführt und der Tee anschließend bei 100°C getrocknet.

Dieser Vorgang ist Schwerstarbeit! Jede Kugel wiegt ca. 35 Taiwankilo, also ungefähr 21 unserer Kilo und durchläuft wie gesagt den Prozess 21 mal. Es dauert Stunden, bis die ganze Ernte auf diese Weise bearbeitet wurde.

An dieser Stelle verließen wir die Produktion. Ohne uns wurden noch die Stängel aus dem Blattgut sortiert. Nach einigen Tagen Ruhen wurde der Tee nach Taipeh gebracht, wo ihn unser Teemeister selber geröstet hat. Nach einigen Proberöstungen und anschließendem Degustieren wurde der Tee acht Stunden lang bei 108°C geröstet. Die Röstdauer hängt vom Duft ab, drei bis vier Stunden sind aber das Minimum. Nach dem Rösten wird der Tee süßer und geschmeidiger und der Aufguss intensiver.

Unser Langnasentee ist ein sehr gut lagerbarer Oolong geworden, der nach Einschätzung des Teemeister seine volle Trinkreife in ca. 3 bis 5 Jahren erreicht haben wird.

Aus ungefähr 450 kg frisch gepflückten Blättern sind 72kg fertiger Tee geworden. Der Tee hat hierfür ca. 75 % seiner Feuchtigkeit verloren, der restliche Gewichtsverlust lässt sich auf das Aussortieren der Stängel und Blattschnipsel zurückführen.

Und so sieht das Ergebnis aus:

No.721 Langnasenoolong

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