Wir möchten Ihnen anhand unserer No.721, dem Formosa Mingjian Da Bi Zi Langnasenoolong, exemplarisch die Oolongproduktion vorstellen.
Natürlich gibt es in jedem Anbaugebiet Besonderheiten und auch jeder Teebauer hat seine eigene Vorgehensweise, aber die grundsätzlichen Schritte kann man hier gut nachvollziehen.
Der Startschuss fiel natürlich beim Pflücken. Wir waren bisher immer davon ausgegangen, dass eine Handpflückung ohne Einschränkung optimal ist, wurden nun aber eines Besseren belehrt. Da der ideale Pflückzeitpunkt vom tageszeitbedingten Wasserstand in der Pflanze abhängt, ist ein möglichst kurzer Pflückzeitraum das Beste. So ist der Feuchtigkeitsgehalt zu hoch, wenn der Tee vor zehn Uhr morgens gepflückt wird. Nach 15 Uhr wiederum ist zwar die Feuchtigkeit der Nacht weg, die Pflanze zieht aber aus dem Boden schon wieder viel Wasser und zusätzlich reicht das verbleibende Sonnenlicht nicht mehr für das anschließende Welken. Da die Handpflückung so lange dauert, würde man also zwangsläufig nicht optimales und außerdem sehr unterschiedliches Blattgut verarbeiten. Das Aussehen des Tees würde dann zwar schön sein, der Geschmack würde aber darunter leiden. Bei der Maschinenpflückung haben wir in unserem Fall den optimalen Zeitraum abgepasst, nämlich zwischen 12 und 13.30 Uhr, und die nicht so schönen, mitgeernteten Stängel und halben Blätter werden im weiteren Produktionsprozess aussortiert, wie wir gleich noch sehen werden. Geerntet wurde von der Sijichun-Teepflanze.


Auch wenn es erst anders aussah, herrschte am Erntetag perfektes Teewetter, nämlich nicht zu starker Sonnenschein bei ca. 30° Celsius und leichtem Wind.
Anschließend wurde der Tee zur Tee”fabrik” gebracht und draußen zum Welken auf großen Laken ausgebreitet. Wäre es draußen zu feucht gewesen, hätten die Blätter auch drinnen mittels heißer Luft zum Welken gebracht werden können, dies wäre aber zu Lasten des Geschmacks gegangen.
Man muss darauf achten, dass das Welken lange genug andauert, denn die Blätter denken sozusagen, dass sie noch nicht gepflückt wurden und alle Prozesse, die am Strauch stattfinden, laufen auch beim Pflückgut ab. Hätte man also das Welken zu früh abgebrochen, weil die Blätter schlaff erschienen, würde das Wasser am späten Nachmittag – wie an der Pflanze auch – aus dem Stängel wieder in die Blätter ziehen und diese wieder knackiger machen. Sie ließen sich dann nicht mehr gut verarbeiten und zudem wäre der Geschmack grasig.
Die Blätter verlieren ihre Feuchtigkeit nicht über die verletzten Stängel sondern über ihre Ränder und Unterseiten. Ältere Blätter haben größere Poren um das Wasser auszuscheiden und enthalten auch nicht so viel Feuchtigkeit. Ganz junge Blätter enthalten viel Feuchtigkeit, können sie aber über ihre verhältnismäßig kleinen Öffnungen nur sehr langsam abgeben. Aus diesem Grund kann man aus ausschließlich jungen Blättern keinen guten Oolong machen.



Wir Europäer verbreiten wohlgeordnetes Chaos.


Wenn der Sonnenschein zu stark gewesen wäre, hätte man den Platz auch mit Netzen beschatten können:

Ein Kamerateam war von den teebegeisterten Europäern fasziniert und bat zum Interview:

Um ein gleichmäßiges Welken des gesamten Blattgutes zu gewährleisten, wird der Tee einmal gewendet.




Zwei haben sich vor lauter Enthusiasmus den Rückweg abgeschnitten...

Die Blätter sehen schon schlaffer aus:


Nach knapp zwei Stunden haben die Blätter genau die richtige Beschaffenheit. Sie hängen leicht herunter, sehen matt aus und wenn man sie drückt, zerbrechen sie nicht mehr und der Stängel ist leicht faltig geworden.
Nach dem Welken in der Sonne werden die Blätter zum Abkühlen in die Halle gebracht.
Weiter geht’s im nächsten Blogbeitrag!