Liebe Teefreunde,
wir konnten unseren Oolongtee vollenden. Der süße, blumige Duft der Teeblätter liegt uns immer noch in der Nase und sogar unsere verschwitzte Kleidung von den Tagen duftet phantastisch nach Tee!
Erst wenn man die Herstellung so weit mitgemacht hat, kann man den komplexen Produktionsablauf wirklich nachvollziehen. Es ist uns sehr bewusst geworden, dass in einem guten Oolong sehr viel Arbeit und Erfahrung von Jahrzehnten steckt. Die Arbeit, die wir mit gut 20 Leuten und der Hilfe des Teebauern und Rollmeisters gemacht haben, machen sonst nur drei Arbeiter – und sie verarbeiten dann die doppelte Menge Tee!
Ein wenig wurden wir aber auch von unserer Arbeit von einem Journalisten und einer Dame vom Fernsehen abgehalten, die unsere unbeholfenen Teeverarbeitungsversuche festgehalten und einige von uns interviewt haben. Als wir zwei Tage später auf dem Weg zum Dong-Ding-Gebirge zufällig Teepflückerinnen bei der Arbeit sahen und aus dem Bus stürmten, um sie zu fotografieren, waren sie nicht weiter überrascht, denn sie hatten schon im Fernsehen gesehen, dass eine Gruppe von teebegeisterten Langnasen in Taiwan unterwegs ist.

Teepflückerinnen
Einen Tag zuvor, also zwischen unserer Oolongproduktion und dem Treffen der Pflückerinnen, waren wir zum Mittagessen in den Bergen und waren anschließend spontan über eine sehr lange und sehr hohe Hängebrücke (!) gegangen. Fotos haben wir leider nicht geschossen, da einer (Henning) vorsichtshalber nicht mitgekommen ist und die andere (Kristina) beide Hände zum Festhalten brauchte. Sobald wir von den anderen Fotos bekommen haben, werden wir sie hier nachreichen. Das Tollste daran war aber, dass wir auf der anderen Seite der Brücke zufällig taiwanesische Ur-Teebüsche (Taiwan Shan Cha) entdeckten. Auf Taiwan gibt es fast nur noch Sträucher, die aus China eingeführt wurden, und dieser Fund war auch für unseren Teemeister eine Überraschung!
Und gestern nun waren wir im Dong-Ding-Gebirge. Es gibt phantastische Tees hier, nur wird es immer schwieriger sie zu finden, da Dong Ding so berühmt ist, dass sich auch “schlechte” Tees gut verkaufen lassen. Wir waren allerdings bei einem Teebauern, der noch traditionell herstellt und bei ihm durften wir einen köstlichen, 30 Jahre alten Oolong verkosten.
Bei diesem Bauern haben wir auch zwei Flaschen Teesamenöl bestellt. Die Samen lagen noch bei ihm auf dem Hof zum Trocknen ausgebreitet und waren noch nicht zu Öl verarbeitet, so dass wir wohl in einem Monat die Flaschen bekommen werden. Er versicherte uns, dass er während der Pressung nicht von der Presse weicht, damit sein Öl nicht mit dem von anderen Bauern gepantscht wird. Dieses Öl kann man sehr gut für die Salatzubereitung verwenden und auch pur soll es sehr gesund sein. Mal sehen, wie es ganz frisch schmeckt!

Teesamen
Anschließend sind wir ins Hochland gefahren und haben einen “Spaziergang” in den Bergen gemacht. Egal welche Pflanze am Wegesrand wächst, man kann sicher sein, dass unser Teemeister weiß, wie sie heißt und wichtiger noch, ob man sie essen kann. Selber essen und andere mit Essen zu versorgen scheint neben Tee seine größte Leidenschaft zu sein. Ein sehr sympathischer Mann…
Es ist unvorstellbar, wie an diesen steilen Hängen Tee gepflückt wird.

Man kann es nicht so gut erkennen, aber es geht hier fast senkrecht runter!
Als es zu regnen anfing, sind wir vorsichtshalber umgedreht. Wir waren aber schon so weit gegangen, dass wir auf dem Rückweg alle pitschepatschenass geworden sind. Aber unsere Reiseführerin hat uns mit Longanmelassehäppchen versorgt, die wärmen und die innere Feuchtigkeit vertreiben sollen, so dass sich wohl keiner erkälten wird.
Das alles haben wir am nächsten Morgen geschrieben. Jetzt müssen wir uns beeilen, damit wir beim Frühstück noch einen heißen Tee bekommen. Heute abend sind wir wieder in Taipeh und können wahrscheinlich vom kommenden Tag berichten.